Der Langschläfer

Vor vielen, vielen Jahren – da gab es nach 00:00 Uhr im Flimmerkasten nur noch ein Testbild oder rein gar nichts mehr zu sehen und es piepste oder rauschte laut los – wissen Sie das noch? Das waren noch Zeiten…

So kam seinerzeit auch Hansi Penner aus Dresden (Träääßtn – im Tal der Ahnungslosen), der nach dem Konsum von Ausstrahlungen der für ihn lediglich 2 empfangbaren Sender (Sie lesen richtig! In Worten: „zwei“!) gegen 01:00 Uhr täglich die müden Augen schließen konnte, auf etwa 5 Stunden Schlaf- und Erholungsphase in seinem Bett, die er bis zum erschreckend erweckenden Rasseln seines Ruhla-Weckers gegen 6:00 Uhr durchlaufen konnte.Noch war er anfänglich in der Lage, pünktlich nach der langwierigen Vollziehung seiner morgendlichen Toilette, incl. der Nutzung von „Putzi“ und „Badusan“ gegen 07:00 Uhr die Wohnung zu verlassen, einer geregelten Arbeit nachzugehen und somit nicht als „asoziales Subjekt“ mit Häme und Spott überbürdet zu werden.

Doch auch ihn erreichte mit massiver Wucht und unvermeidbarer Stärke die große, orkanartige telemediale Wendewelle:

Plötzlich konnte und durfte(!) auch er als Angehöriger der dort im Tale ansässigen sächsischen Volksmasse gehaltvolle Sendungen aus der ersten und zweiten Reihe der bunten Senderepublik rund um die Uhr visuell und auditiv verkonsumieren – gleichsam erhielten flächenübergreifend natürlich auch die bis dato hiervon unverwöhnt gebliebenen Mitmenschen aller anderen „alten Bezirke“ entsprechende Empfangsmöglichkeiten.

Die schier unzählbaren Antennenanlagen auf den Dächern und die, an große Bratpfannen mit abgesägtem Stiel erinnernden Parabol-Sat-Empfangs-Antennen-Teller auf jedem Balkon verdeutlichten machtvoll den direkt-proportionalen Zusammenhang zwischen der sofort errichteten technischen Nutzungsmöglichkeit und der tatsächlichen Empfängnis aller öffentlich-rechtlichen, privaten, halbgenossenschaftlichen, in- und ausländischen, kontinental über- und untergreifenden Sender aller denkbaren Erd- und Erdumlauffrequenzen…

Und Hansi war enorm empfangsbereit und empfänglich für so ziemlich jeden bunten output eines jeden der plötzlich 4.539 „gefühlten“ Sender, den er ja nur mittels leichter Daumendruckgabe auf die Fernbedienung stetig wechselnd genießen konnte.

Einziger Nachteil: Er entwickelte ein chronisches Suchtverhalten, das es ihm nicht mehr ermöglichte, vor 06:00 Uhr früh den roten Knopf zu drücken und mithin die Schlafphasen zu beginnen…

So kam es, wie es kommen musste – er verschlief Tag für Tag, sodass mangels körperlicher Anwesenheit am Arbeitsplatz auch sein Chef “verschlief“, Hansis Gehalt zu zahlen.

Arbeitslosigkeit, neuer Job, nach 10 Tagen verschlafen, Arbeitslosigkeit, neuer Job, nach 2 Tagen zu spät, nach 5 Tagen verpennt…

Viele Jahre vergingen mit dieser Abfolge – quasi mit der Dauersendung: „Hansi Penner schläft sich erstmal aus“ .

Auch eine Stereo-Anlage mit Weckfunktion half nichts…

Nach über 20 Vollempfangsjahren kam ihm während der Konsumtion eines Frühprogramms bei „Schmutz3“ die zündende Idee, sein eigenes Lebensprogramm auf „Kabel-zwei-Frührente“ umzustellen und er bequemte sich, einen entsprechenden Rentenantrag mit bestmöglicher Erfolgsaussicht zu stellen – so empfohlen im „Sonderratgeber für Frühfaule – Das Frühstücksprogramm ab 2“ des Senders „FF-Dabei und Mittendrin“.

Letztlich landete die Sache am Gericht.  Na? Wie glauben Sie – entschieden unsere Richter? Genau – richtig… Hier die Auflösung:

Hansi Penner hatte behauptet, an einer unüberwindlichen morgendlichen „Nichterweckbarkeit“ zu leiden und deshalb regelmäßig zu verschlafen. Er höre weder den Wecker noch eine extra angeschaffte Stereoanlage (2000 Watt Leistung) mit Weckfunktion, über die sich dann auch schon die Nachbarn beschwert hatten.

Das Sozialgericht holte ein umfangreiches neurologisches Gutachten mit zusätzlicher Untersuchung im Schlaflabor ein. Auch Krankheiten und die deswegen eingenommenen Medikamente wurden berücksichtigt, konnten aber nicht als Ursache festgestellt werden. Der Sachverständige kam daher zum Ergebnis, dass das von Hansi behauptete Phänomen nur auf einem gestörten Biorhythmus infolge zu späten Zu-Bett-Gehens beruhen kann. Dem folgte das Gericht, so dass die Klage von Hansi Penner erfolglos blieb. (Sozialgericht Dresden / Az. S 24 R 1531/07).

Und die Moral von der G´schicht?:

Fallen Deine Äuglein zu, gehe einfach dann zur Ruh.
Auch wenn die Flimmerkiste flackert,
bist Du nicht an die Couch getackert.
Schlaf Dich aus und werd´ früh wach,
sonst hast Du nichts von Deinem Tach.

 

Oh – es gibt noch viele andere Kläger… Hier einige Beispiele, womit sich die Juristen manchmal beschäftigen dürfen:

 

Privat am stillen Örtchen

Der Gang zur Toilette ist während der Arbeitszeit unvermeidbar – birgt manchmal aber auch ein Risiko. Das zeigt der Fall eines Polizisten aus Bayern. Er klemmte sich in den WC-Räumen den rechten Mittelfinger in einer Tür ein und klagte auf Anerkennung eines Dienstunfalls. Doch ein Verwaltungsgericht entschied gegen den Kläger. Zwar sei der Weg zur Toilette geschützt, nicht aber der dortige Aufenthalt. Auf dem Klo sei der Beamte schließlich Privatmann.

Vor Dienstbeginn bekleiden

Kämen Sie auf die Idee, das Anziehen Ihrer Kleidung als Arbeitszeit anzusehen? Einige Polizisten waren dieser Meinung. Schon mehrfach gab es Klagen, die Umkleide- und Rüstzeit – also die Zeitspanne, die die Mitarbeiter für das An- und Ausziehen ihrer Dienstkleidung sowie das Zusammenstellen und späteres Wiederwegpacken ihrer Ausrüstungsgegenstände benötigen – anzurechnen.
Die letzte Klage dazu vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe wurde abgewiesen. Ein Streifenbeamter im Schichtdienst hatte auf die Gutschrift von 15 Minuten pro Schicht geklagt. Das Gericht befand, dies seien dienstvorbereitende Maßnahmen, die vor der Schicht zu erfolgen hätten.

Anders werteten die Richter den Fall einer OP-Schwester, die sich am Arbeitsplatz aus hygienischen Gründen mehrfach umziehen muss und die Arbeitskleidung nicht Zuhause anziehen darf. Ihr muss das An- und Umkleiden im Betrieb als Arbeistzeit anerkannt werden, urteilte das Bundesarbeitsgericht.

Raucher haben das Nachsehen

In den Dienstgebäuden einiger Städte gilt absolutes Rauchverbot. Mitarbeiter haben weder Anspruch auf einen Raucherraum noch auf Rauchpausen während der Kernarbeitszeit – und das ist rechtens, entscheid z.B. das Verwaltungsgericht Köln.
Ein 61-jähriger Mitarbeiter, der seit mehr als 40 Jahren auch während seines Dienstes rauchte, hatte geklagt. Er verlangte, in einem Innenraum des Gebäudes und auch während der Kernarbeitszeiten seinem Laster nachgehen zu dürfen.

Doch er hatte keinen Erfolg. Denn nur Tätigkeiten wie der Gang zur Toilette, der Kaffee im Büro oder kurze private Gespräche auf dem Flur sind laut Gericht zulässige Arbeitsunterbrechungen. Zigarettenpausen gehören nicht dazu

Zumutbarer Dienstwagen

Viele Firmen stellen ihren Mitarbeitern einen Dienstwagen zur Verfügung. Was aber, wenn das Fahrzeug ethische Konflikte auslöst? So verlangte ein Bestattungsunternehmen von einem Angestellten, einen Leichenwagen als Dienstfahrzeug zu benutzen. Das Landgericht Köln entschied: „In Anbetracht des Stellenwerts eines Leichenwagens ist es dem Angestellten nicht zumutbar, ein solches Fahrzeug privat zu nutzen“.

Lästerei im Vertrauen

Achtung bei Stammtischgesprächen: Die können, wenn sie dem Chef zu Ohren kommen, großen Ärger auslösen. So erging es einer Pflegekraft. Sie hatte bei einem Stammtischtreffen gegenüber einer Kollegin gesagt, sie wisse so viel über ihren Chef zu berichten, dass dieser „keinen Pflegedienst mehr aufmachen dürfe“.

Ausnahmezustand Schwangerschaft

Dummheit schützt vor Strafe nicht, lautet ein bekanntes Sprichwort. Schwangerschaft aber offenbar schon. In Darmstadt z.B. soll eine Schwangere bei ihrem Arbeitgeber geklaut haben: drei Produkte aus dem Angebot von McDonalds.
Sie behauptete, das Essen habe ihr zugestanden, der Arbeitgeber sah das anders. Er kündigte der Frau. Das Verwaltungsgericht Frankfurt ordnete den Fall als Diebstahl geringwertiger Güter ein und bewertete damit die Kündigung als ungerechtfertigt. Eine Abmahnung sei ausreichend. Zudem sollten von schwangeren Arbeitnehmerinnen alle Belastungen ferngehalten werden, „die mit einer Kündigung verbunden sind“.

Adressaten überprüfen

Wer vom Arzt krank geschrieben wird, bekommt zwei Zettel. Einen muss man sofort an den Arbeitgeber schicken, den anderen an die Krankenkasse. Dabei sollte man tunlichst auf die korrekte Schreibweise der Adresse achten. Erreicht die Krankschreibung den Chef wegen eines Fehlers (wie etwa einer falschen Postleitzahl) zu spät, ist eine Abmahnung gerechtfertigt. Das entschied das Landgericht Köln. Grund: Fahrlässiges Verhalten.

Versehentliche Beleidigung

Manche Menschen sind sehr eitel – auch in Bezug auf ihre Familienmitglieder und Partner. Das musste eine Auszubildende schmerzlich erfahren. Die 19-Jährige hatte die Freundin ihres Chefs auf einem Foto auf 40 Jahre geschätzt – tatsächlich war diese aber erst 31.
Der Arbeitgeber, ein Rechtsanwalt, fühlte sich beleidigt und kündigte der jungen Frau fristlos. Zu Unrecht, befand das Arbeitsgericht Mannheim. Das Verfahren wurde mit einem Vergleich beendet: Das Ausbildungsverhältnis wurde vorzeitig beendet, die Vergütung noch für einen Monat gezahlt (Az. 3 Ca 406/10).

Klogang – so oft Sie müssen

Häufige Toilettenbesuche rechtfertigen keine Gehaltskürzung. Das hat ein Arbeitsgericht entschieden. Der Inhaber einer Anwaltskanzlei hatte minutiös protokollieren lassen, wie viel Zeit einer seiner Rechtsanwälte auf dem stillen Örtchen verbrachte. Innerhalb von zwei Wochen kam er auf eine Bilanz von 384 Minuten. Dafür zog er seinem Angestellten 680 Euro vom Gehalt ab. Der klagte mit der Begründung, in dieser Zeit an Verdauungsstörungen gelitten zu haben. Das Gericht gab ihm Recht. Wo die Grenze zur Arbeitsverweigerung liege, lasse sich nicht klar festlegen. Mittlerweile ist der Mann aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden.

Schranken für schikanöse Chefs

Manchmal stimmt die Chemie zwischen Arbeitgeber und -nehmer nicht. Doch deshalb muss man sich nicht alles gefallen lassen, urteilte z.B. das Landgericht Köln. Die Aufgaben müssten vertragsgerecht sein und dem Angestellten ein funktionsgerechter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.
Im verhandelten Fall hatte ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter für den Kundendienst eingestellt. Seine Aufgabe: Adressen aus dem Telefonbuch abschreiben. Der Mitarbeiter wurde in seinem Büro eingesperrt und durfte die Toilette nur in Begleitung des Betriebsleiters aufsuchen. Die Richter werteten dieses Verhalten als schikanös. Der Mann darf seine Arbeit niederlegen, wird aber bis zum Ablauf der Kündigungsfrist weiter bezahlt.

Mützenpflicht für Piloten

Häufig gehören Mützen zu Uniformen dazu. Ein lästiges Übel, befand ein Pilot der Lufthansa und verweigerte das Aufsetzen der Kopfbedeckung. Da aber spielte sein Arbeitgeber nicht mit. Da der Pilot die Mütze auf einem Flug von München nach New York nicht bei sich hatte, wurde der Mann sogar von dem Flug abgezogen. Er gab an, sich wegen seines Geschlechts diskriminiert zu fühlen, weil seine Kolleginnen keiner Mützenpflicht unterliegen. In zweiter Instanz wies das Landgericht Köln die Klage ab. Begründung: Die Mütze sei Teil der männlichen Dienstbekleidung, nicht der weiblichen.